Wie wirkt Filmgewalt ?

Zensurmaßnahmen werden oft mit dem Argument gerechtfertigt, jugendliche  Zuschauer könnten aus Gewaltszenen lernen. Die Forschungsergebnisse zur Frage  der Gewaltwirkung sind aber keineswegs eindeutig.

1. Die Katharsistheorie wurde in den 50er Jahren von amerikanischen Psychologen entwickelt. Die Fernsehanstalten setzten sich  damit den Vorwurf des FBI zur Wehr, sie würden durch das Ausstrahlen von  Gewaltfilmen zum Ansteigen der Gewaltkriminalität beitragen. Die Theorie behauptet das Gegenteil: filmische Gewalt gibt dem Betrachter die Möglichkeit, aggressive Gefühle in der Phantasie abzureagieren. Die Folge: er ist anschließend friedlicher als vorher.

2. Die Lerntheorie wurde von dem amerikanischen Psychologen Bandura entwickelt und geht davon aus, daß Aggressivität  kein angeborenes, sondern erlerntes Verhalten ist. Auch Filmhelden könnten  als `` Lernmodelle´´ für aggressives Verhalten dienen. Allerdings komme es  sehr darauf an, wie stark der Zuschauer sich mit dem aggressiven Helden  identifizieren kann und ob die Gewalt schließlich zum Erfolg führt.

3. Die Theorie der `` kognitiven Dissonanz ´´ behauptet dagegen, Medien hätten überhaupt keine Wirkung. Zuschauer verfügen  über genügend Mechanismen, um bereits bestehende Einstellungen gegen  Einflüsse von Medien zu schützen. Was mit der eigenen Einstellung nicht  übereinstimmt ( Dissonanz ) wird uminterpretiert.

4. Die Verstärkertheorie geht davon aus, daß  Personen, die Gewalt grundsätzlich als Mittel der Konfliktlösung akzeptieren, durch Filmgewalt darin bestätigt würden. Filmgewalt würde also  bereits bestehende Dispositionen verstärken.

5. Die Habitualisierungsthese behauptet, daß jemand, der regelmäßig im Film mit Gewalt konfrontiert wird, sich an die  Gewaltanwendung gewöhnt und glaubt, auch die Realität würde von Gewalt  beherrscht.

6. Die Abstumpfungstheorie geht davon aus, daß  Menschen gegenüber Gewalt eine gewisse Sensibilität ( z. b. Mitleid )  entwickeln. Der Zuschauer muß diese jedoch abbauen, weil er sonst die Filmgewalt emotional nicht ertragen kann. Diese Abstumpfung von Gefühlen  überträgt er auch auf Gewalt in der Realität.

7. Grundlage der Inhibitionsthese ist die  Überlegung, daß abscheulich dargestellte Gewalt mit der Wertedisposition des Zuschauers nicht im Einklang zu bringen ist und deshalb die Ablehnung von  Realer Gewalt verstärkt.

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